Samenleiterunterbindung

(No-Scalpel-Vasectomy)

 

Die Samenleiterunterbindung ist die sicherste dauerhafte Verhütungsmethode beim Mann. Sie verhindert, dass Samenzellfäden (Spermien) in den Samenerguss (Ejakulat) kommen, so dass eine Befruchtung der Eizelle nicht mehr möglich ist.

 

Die Samenleiterunterbindung ist nicht nur finanziell günstiger, sie ist auch deutlich weniger aufwendig als die Eileiterunterbindung bei der Frau (eine Operation in der Bauchhöhle ist immer mit einem höheren Risiko belastet) und kann in örtlicher Betäubung ohne stationären Aufenthalt durchgeführt werden. Nicht zuletzt sei auch darauf hingewiesen, dass die Frau ihren Beitrag zur Familienplanung (durch Pille, Spirale und vieles andere mehr) bereits geleistet hat.

 

Die messerlose Samenleiterunterbindung (no-scalpel-vasectomy) stellt einen Fortschritt in der Familienplanung dar. Die Isolierung und Darstellung des Samenleiters wird durch diese Methode perfektioniert, womit der Eingriff weniger blutet und nebenwirkungsärmer wird.

 

Voraussetzung zur Samenleiterunterbindung

gesetzliches Mindestalter:      25 Jahre

das Einverständnis einer anderen Person ist zur Samenleiterunterbindung nicht erforderlich

ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Operateur (gerne können Sie Ihre Lebenspartnerin dazu mitnehmen) mindestens 24 Stunden vor dem Eingriff

Kosten

Die Kosten der Operation sind selbst zu bezahlen. Der Eingriff erfüllt nicht die Kriterien einer Krankenbehandlung, sodass die Kosten von den Krankenkassen nicht übernommen werden (außer in speziell gelegten Einzelfällen, nach entsprechendem Ansuchen bei ihrer Krankenkasse).

Prinzip und Technik

Die Samenzellfäden des Mannes werden im Hoden (testicle) produziert. Sie wandern über den Nebenhoden (epididymis) in den Samenleiter (vas deferens). Auf diesem Weg gelangen sie bis in den Bereich der Samenbläschen (seminal vesicle) und der Vorsteherdrüse (Prostata, prostate glande). Sie verbinden sich hier mit der Samenergussflüssigkeit aus Prostata und Samenbläschen und stehen somit im Samenerguss zur Verfügung.

Durch die Vasektomie (Durchtrennung der Samenleiter) wird eine Transportstörung gesetzt, sodass die Samenzellfäden nicht mehr in den Samenerguss gelangen.

Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung (Regionalanästhesie). Durch den Einsatz spezieller Instrumente genügt eine Hautöffnung zur Durchtrennung der Samenleiter auf beiden Seiten. Zudem ist die Hautöffnung sehr klein, sodass keine Hautnähte notwendig sind.

Mit einer eigenen Samenleiterfasszange wird der Samenleiter gefasst, mit einer speziellen Dissektionsklemme wird der Samenleiter dann isoliert, sodass er durch die Hautöffnung gezogen werden kann.

Ein Stück des Samenleiters wird entfernt (ca 1 cm), die verbleibenden Enden werden verschlossen. Die Enden werden nun wieder in den Hodensack zurückverlagert. Die Hautwunde verheilt in der Regel ohne Hautnaht. Der Eingriff dauert etwa30 Minuten.

Vorbereitung

Eine Rasur des Hodensackes ab der Peniswurzel ist notwendig. Haare stellen ein Infektionsrisiko dar und stören erheblich den Ablauf der Operation. Es ist günstig die Rasur am Vortag durchzuführen und sie soll sehr gründlich erfolgen.

Nebenwirkungen
Blutungen, Wundinfektionen und Nebenhodenentzüdnungen:   Dies sind die häufigsten Nebenwirkungen, jedoch zumeist harmlos und durch örtliche Behandlungen und Medikamente rasch behebbar. Zudem treten sie selten auf (etwa zwei Prozent der Fälle), sofern sowohl die Durchführung der Operation sorgfältig erfolgt, als auch die Verhaltensmaßnahmen nach der Operation seitens des Patienten eingehalten werden.

Samengranulombildungen:   Knotige Beindegewebswucherungen  im Bereich der Samenleiterdurchtrennungsstelle werden durch den Austritt von Samenzellfäden verursacht. Diese treten bei der Verwendung von Op-Clips kaum auf und sind zumeist harmlos. 

Bluterguss in der Hodensackhaut ("blauer Fleck"):   Da die Hodensackhaut sehr gut von Blutgefäßen versorgt wird, kann es leicht zu einem flächigen Bluterguss in der Hodensackhaut kommen. Dieser ist völlig harmlos und verursacht auch keine Schmerzen. Die Verfärbung selbst kann jedoch imposant sein.

Die Gesamtkomplikationsrate liegt in großen Serien bei 1 % bis 2 %.

Eintritt der Zeugungsunfähigkeit
Die Zeugungsunfähigkeit und somit der Operationserfolg tritt nicht unmittelbar nach der Operation ein. Es befinden sich postoperativ noch zahlreiche Samenzellfäden im Abschnitt zwischen der Unterbrechungsstelle der Samenleiter und der Harnröhre (zentraler Anteil des Samenleiters, Samenbläschen, Prostatabereich). Es benötigt eine  entsprechende Anzahl von Samenergüssen, damit keine Samenzellfäden mehr nachweisbar sind. Die ersten Samenergusskontrollen werden nach drei Monaten durchgeführt, bis zum erfolgreichen Abschluss der Vasektomie muss auf andere Weise verhütet werden!
Sicherheit
Gemeinsam mit der Eileiterunterbindung gewährleistet die Samenleiterunterbindung eine dauerhafte Verhütung und zählt zu den sichersten Methoden überhaupt. Ein besonderer Vorteil ist darin zu sehen, dass durch einen mikroskopische Untersuchung des Samenergusses der Op-Erfolg (Fehlen von Samenzellfäden) bestätigt werden kann.

Die Versagerquote liegt in den meisten Studien unter 1 %. Dabei ist besonders auffällig, dass es in diesen Fällen postoperativ nie zu einer Azoospermie (völliges Fehlen von Samenzellen im Samenerguss) gekommen ist. Eine Kontrolle des Samenergusses zur Bestätigung des Operationserfolges ist daher äußerst wichtig! Nur 68 % aller Patienten führen die postoperativen Samenergusskontrollen vollständig durch.

In ganz seltenen Fällen wird von sogenannten Rekanalisationen nach primär erfolgreicher Vasektomie berichtet (1 von 2000 Fällen).

Reversibilität
Die operative Wiedervereinigung der Samenleiter ist technisch möglich. Eine Durchgängikeit kann in bis zu 80 % erreicht werden. Die Schwangerschaftsraten liegen jedoch nur bei etwa 25 % und sinken je länger die Operation zurück liegt. Die sogenannte Refertilisierung oder Vas-Vas-Anastomose ist zudem eine sehr teure Operation. Ihre Entscheidung zur Vasektomie sollte daher wohl überlegt und gefestigt sein, sodass es sich um einen unwiderrufbaren Eingriff für Sie handelt.
nach der Operation
Die Wunde schmerzt geringfügig in den ersten Tagen nach der Operation, bei körperlicher Belastung kann es auch zu einem geringfügigem Ziehen in die Leisten hinauf kommen. Die Beschwerden verstärken sich bei Fehlverhalten des Patienten.

Die non scalpell vasectomy ist ein sehr schonendes komplikationsarmes Verfahren, sie ist und bleibt jedoch ein operativer Eingriff der ein entsprechendes postoperatives Verhalten seitens des Patienten erfordert:

#    strenge körperliche Schonung die ersten 3 Tage

#    kein Bad solange die Hodensackschnittwunde noch Krusten aufweist, Duschen ohne Affektion der Wunde ab dem zweiten Tag möglich

#     kein Sport, keine groben körperlichen Arbeiten und kein Geschlechtsverkehr für  10 bis 14 Tage

#     geschützter Geschlechtsverkehr  bis zur abschließenden Samenprobe

Kontrollen
Wundkontrolle innerhalb der ersten 7 bis 10 Tage nach der Operation.

Samenergusskontrollen, wobei zum ersten mal 3 Monate nach der Operation kontrolliert wird. Zwei Samenergusskontrollen hintereinander (Abstand ca 2 bis 3 Wochen) müssen völlig frei von Samenzellfäden sein.

Solange die Kontrollen nicht abgeschlossen sind, ist nur geschützter Geschlechtsverkehr möglich.

häufig gestellte Fragen
Samenerguss:  70 % der Flüssigkeit kommen aus der Prostata, 20 % aus den Samenbläschen, aus dem Hoden und Nebenhoden kommen lediglich 5 bis 10 % (vorwiegend die Samenzellfäden) des gesamten Volumens des Samenergusses. Somit kommt es für den Patienten zu keine merkbaren Veränderungen.

Sexualität (Erektionsstörung und Impotenz):   Es kommt zu keiner Verminderung der Testosteronproduktion (männliches Geschlechtshormon, im Hoden produziert) und daher auch zu keinen organisch bedingten Veränderungen der männlichen Sexualität. Der Wegfall von anderweitigen Verhütungsmethoden führt in den meisten Fällen zu einer Verbesserung der Sexualität in der Partnerschaft.

Prostatakrebs:   Entgegen früheren Behauptungen besteht nachgewiesener Weise kein Zusammenhang zwischen Vasektomie und vermehrtem Aufkommen von Prostatakrebs